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Als gehörloser Schwimmer erfolgreich in zwei Welten

Dresdner Universitätsjournal, Thursday 16.05.2017




Am 8. April 2017 fand die 25. Gala des Dresdner Sports im Internationalen Congress Center Dresden statt. Im Vorfeld konnten Dresdner über ihre Sportler des Jahres 2016 abstimmen. Gewählt wurde in den Kategorien Sportlerin, Sportler, Nachwuchs, Mannschaften, Handicap, Trainer und Senioren. Sieger in der Kategorie »Handicap« wurde Phil Goldberg. Der Physiker promoviert seit September 2016 auf dem Gebiet der Materialwissenschaft und Nanotechnik an der TU Dresden. Dem Schwimmsport ist Phil Goldberg schon lange treu, wie er im Interview mit Cornelia Hähne, Stabsstelle Diversity Management, verriet. Seit 1994 ist er aktives Mitglied des Schwimmvereins USV TU Dresden, seit 2000 auch aktives Mitglied des Dresdner Gehörlosensportvereins. Zu seiner Paradedisziplin gehört die 200-m-Schmetterling-Distanz. Auf die Frage, was seine größten sportlichen Erfolge sind, antwortet er: »Da möchte ich gewissermaßen zwei ›Welten‹ betrachten: Bei den Normalhörenden habe ich seit 2012 an den MastersEM und Masters-WM teilgenommen. Meine größten Erfolge sind die Goldmedaille über 200 m Schmetterling bei der EM 2013 in Eindhoven (Niederlande), die Silbermedaille (200 m Schmetterling) bei der EM 2016 in London und die Bronzemedaille bei der WM 2015 in Kasan (Russland). Bei den Gehörlosen nahm ich schon an vier Deaflympics teil und die größten Erfolge, auf die ich stolz zurückblicke, sind die zwei Bronzemedaillen in Melbourne (Australien) im Jahr 2005 und die Silbersowie Bronzemedaillen in Taipeh (Taiwan) im Jahr 2009. Nicht zu vergessen sind die drei EM-Titel auf allen drei Rückenstrecken (50 m, 100 m und 200 m) in Dortmund im Jahr 2010.« Im August dieses Jahres findet die Masters-WM in Budapest (Ungarn) statt. Sein erklärtes Ziel ist natürlich auch dort die Top-5–Platzierung zu schaffen. Von der Auszeichnung als Sportler des Jahres war er sehr überrascht. »Mit einem Sieg habe ich nicht gerechnet und damit, dass die Dresdner Christiane Reppe und Steffen Zeibig, die mit großen Erfolgen bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro teilnahmen, hinter mir gelandet sind. Ich freue mich sehr, dass so viele Leute für mich gestimmt haben.« Auf die Frage, ob es eigentlich schwer ist, als gehörloser Mensch den Schwimmleistungssport auszuüben, antwortet er: »Eigentlich nicht, da Schwimmen eher eine Einzelsportart ist und man im Wettkampf nicht viel auf die Anweisungen anderer achten muss. Beim Training steht seit vielen Jahren eine Tafel mit dem Programm bereit. Das Vertrauen zwischen Trainer und Sportler ist eine ganz wichtige Voraussetzung, damit keine Barriere bei der Kommunikation entstehen kann. Die Herausforderungen heutzutage sind die Startanlagen neben dem Startrichter, die sich von Wettkampf zu Wettkampf unterscheiden. Meistens schafft das optische (Blitz-)Signal eine gute Abhilfe. Wichtig für mich ist, dass der Sport eine willkommene Abwechslung zum Alltag bietet und mir richtig viel Spaß macht. Ich denke zudem, dass der Sport eine großartige Plattform für die Integration von behinderten Menschen in die ›normale‹ Gesellschaft bietet.« Und wie ist es mit einer Hörbehinderung bei der beruflichen Arbeit? »Die Arbeit im Bereich der Naturwissenschaften bietet einen besonderen Vorteil für mich, da ich etwas (auf)schreiben, Experimente durchführen und Daten auswerten, rechnen und Fachliteratur lesen kann und nicht nur zuhören bzw. reden muss. Mein Job bietet viel Abwechslung und das ist das Schöne daran. Auch fühle ich mich durch meine Kolleginnen und Kollegen verstanden und gut unterstützt. Das ist in Deutschland leider nicht immer selbstverständlich. Konkret in meinem Fall ist es die Hörbehinderung, die eine reibungslose Kommunikation erschwert. Mir fällt es sehr schwer, Gesprochenes ausreichend zu verstehen. Daher ist es wichtig für mich, dass ich den Blickkontakt – für das Lippenlesen – zu meinem Gegenüber habe und langsam, deutlich und laut genug gesprochen wird. Da das Cochlea–Implantat, welches ich trage, empfindlich gegenüber Umgebungsgeräuschen ist (vor allem in der Mensa oder in der Nähe laufender Experimentgeräte), ist die Nutzung von Mikrofonanlagen bzw. induktiven Höranlagen für das Verstehen von Gesprächen von großer Hilfe für mich. Diese Anlagen können jedoch den Nachteil meiner Hörbehinderung nicht ganz ausgleichen. Ich spreche daher gern vorab mit den Gesprächspartnern, z.B. vor Besprechungen, Vorträgen und Seminaren über die eigene Hörbehinderung und den damit verbundenen Herausforderungen. So kann dann beispielsweise durch den Einsatz von visuellen Hilfsmitteln (PowerPoint, Flip-Chart etc.) unser Gespräch für mich – sozusagen sichtbar – unterstützt werden. Aber es gibt auch Momente, in denen es mir schwerfällt, mit Leuten über meine Hörbehinderung zu sprechen; wenn ich ständig das Gespräch unterbreche, weil ich irgendwas nicht verstanden habe, ist das schon manchmal unangenehm für mich. Wenn aber meine Gegenüber nichts Genaueres über meine wirklichen Probleme wissen und mich deshalb nicht unterstützen können, ist es auch nicht gut. Ich denke daher, jeder soll den Mut haben, offen über gesundheitliche Einschränkungen zu sprechen und gemeinsam z.B. im Team Lösungen zu finden. An der TU Dresden fühle ich mich jedenfalls wohl und habe bisher sehr gute Erfahrungen gemacht.«

Aus dem Dresdner UniversitätsJournal 09/2017. Original article
© Dresdner UniversitätsJournal 2017



last modified: 2017.09.21 Do
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